bettlerImmer wenn ich auf Wikipedia bin, sehe ich einen Balken auf dem man erkennen kann, wie viel noch zur gespendeten Million fehlt.

Heute steht im immer sichtbaren Bereich von Wikipedia in riesigen Buchstaben Bitte lesen: Ein persönlicher Aufruf von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales“ – offensichtlich ist das Geld mal wieder alle und der Spendenbalken reicht nicht mehr aus.
Nun ist das sympathische Gesicht des Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu sehen, und gleich darunter seinen herzzerreißenden Aufruf doch wieder Geld zu spenden. Wikipedia soll halt weiter existieren.

Ich persönlich finde Wikipedia auch sehr nützlich, ich bin hin und wieder dort. Wenn ich etwas genau wissen will, ist Wikipedia für mich jedoch lediglich der Anfang einer Recherche.

Wikipedia ist für mich niemals eine vertraute Quelle des gesicherten Wissens. Es ist vergleichbar mit einem großen kollektiven Gehirn des zusammengefassten Allgemeinwissens in dem man erfahren kann, welches Wissen oder welche Informationen es gibt.

Die wirklich relevanten Quellen stehen  noch immer in den Bibliotheken oder können z.B. mit speziellen wissenschaftlichen Suchmaschinen aus der Fülle der Online-Ressourcen gefiltert werden. Nicht umsonst warnen viele Professoren ihre Studenten regelmäßig vor dem Gebrauch von Wikipedia, ganz besonders beim Schreiben von Hausarbeiten.

Was ganz unbestritten den Charme von Wikipedia ausmacht, ist klar: man verschafft sich dort sehr schnell einen Überblick zum jeweils gesuchten Thema. Aber die Relevanz der dort veröffentlichten Artikel ist mehr als kritisch zu betrachten. So kann ein interessierter Pförtner  und Hobby-Archäologe einen Wiki-Eintrag schreiben, z.B. „Über die Bedeutung der neolithischen Kreisgrabenanlagen„. Dieser kann aber muss nicht im Entferntesten stimmen. Es ist keineswegs abwertend gemeint, aber riskante Realität.

Die Neigung der Menschen zu glauben, dass alles was im Internet oder in Zeitungen steht stimmt, sowie das Prinzip von Wikipedia, macht Wikipedia eigentlich wissenschaftlich irrelevant, vielleicht ein wenig gefährlich und zu in Teilen informativen und unterhaltsamen Institution – mehr nicht!
Ganz anders sieht das wohl der Gründer Jimmy Wales. Obwohl er das Problem selber in seinem aktuellen Bettelbrief Spendenaufruf klar benennt: „Eine Person schreibt etwas, jemand anders verbessert es ein bisschen, und mit der Zeit wird es immer besser.“ – Wer sind diese Personen und was befähigt sie dazu dies zu tun?!

Zusätzlich wird in diesem Aufruf wohl etwas Entscheidendes entweder bewusst oder aus selbsttäuschen etwas verwechselt. So schreibt der Autor: „Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch freien Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit hat.“ – Selbst wenn er es rein visionär meint, ist es ein durchaus löblicher Wunsch, aber fernab jeder Realität. Über die Informationsfreiheit in China braucht man sicher an dieser Stelle nicht einzugehen. Das gleiche Problem existiert in Russland – nicht konforme Meinungen werden dort heute schärfer kontrolliert und geahndet als in der DDR. Über die Manipulationen von Wikipedia-Einträgen durch verschiedene Interessenvertreter wie Firmen und Regierungen konnte man in der Vergangenheit regelmäßig lesen – natürlich nur von den bekanntgeworden Fällen – wer weiß was wir nicht wissen!

Ich persönlich mag Wikipedia habe aber ein Problem mit solchen Spendenaufrufen. Warum soll man für eine Webseite spenden die man mag. Warum soll ich Geld geben für fremder Leute Projekte. Ich selbst betreibe einige Seiten, eine halte ich für wichtig – aber in Gottes Namen – ich würde sicher nicht auf die Idee kommen, für meine privaten Projekte virtuelle Fußgänger um Geld zu bitten. Ich persönlich halte Wikipedia, aus oben genannten Gründen auch nicht für eine wichtige Institution oder Verein und von daher halte ich die Worte in diesem Spendenaufruf einfach für eine manipulative Unverfrorenheit.

Mein Geld schenke ich nicht privaten Webseiten-Projekten, entweder behalte ich es oder gebe es für, aus meiner Sicht, wirklich wichtige Dinge aus.

Link zum Wikipedia Spendenaufruf