Katholische Kirche vs. Satire

Zweitausendzwölf Jahre kämpfen sie nun schon um die Weltherrschaft, bereichern sich auf Kosten der Leidenden und unterziehen die starken Individuen der seelischen Zwangskastration. Eigennützliche und schwachsinnige Auslegung falscher Tatsachen, heilige Kreuzzüge gegen alles was mit ihren krankhaften Lehren nicht konform ist, die Verleugnung der Naturgesetze zugunsten einer abstrakten Gottheit…Zweitausendzwölf Jahre globaler Erziehungsarbeit und noch kein Bisschen müde.

Auch heute noch zeigen sich die Greise aus Vatikan in ihrer besten Form. So meldet sich Ihr Oberhaupt zu Wort, (der Mann mit der Zunge eines Engels und den  Augen eines Dämons) und klagt gegen das deutsche Satiremagazin Titanic, welches es gewagt hat, eine zugegebenermaßen schon etwas schmuddelige Karikatur von ihm auf dem Titelblatt zu platzieren.  Der Kirchenchef Papst Benedikt XVI wurde aufgrund der sogenannten „Vatileaks“ Affäre, bei der es um die Veröffentlichung strenggeheimer Dokumente mit brisanten Details geht, auf die Schippe genommen. Für eine weltweit operierende Firma, der das eigene Image nicht weiß genug sein kann, ist es in der Tat eine schwerwiegende Angelegenheit. Ein gelber Fleck vorn, ein brauner hinten und schon ist die Kacke am Dampfen.

Ich versuche ja normalerweise stets meine Nase aus den Geschäften aller politischen und religiösen Firmen raus zu halten. So lebt man länger und hat mehr Energie für angenehme und wichtige Dinge wie Kunst oder Sex übrig. Einzig und allein die Schlagzeilen wie „Wie weit darf die Satire gehen?“ (focus.de, 10. Juli 2012) haben meine Aufmerksamkeit geweckt. Die Frage möchte ich mit einer Gegenfrage erwidern: „Wer hat heute das Recht zu bestimmen, wie weit die Satire gehen kann?“

Als hätte es in Europa nie die Aufklärung gegeben. Als wären wir kein Stück besser als die radikalen Islamisten, die nach Blut schreien, um den Geist ihres Propheten zu besänftigen, der ebenfalls zum Motiv einer Karikatur wurde. Nein, wir sind in der Tat nicht besser.

Nun melden sich die Anhänger der christlichen Fraktion zu Wort, die zwischen den Besuchen auf zwei Pornoseiten etwas Zeit finden, ein paar Foren mit ihren schwachsinnigen Kommentaren voll zu scheißen. Sie finden es „in Ordnung“, dass das Hamburger Gericht der Katholischen Kirche Recht gegeben und dass Titanic das Heft mit dem gewagten Titelblatt nicht mehr verkaufen darf. Die weitere Verbreitung der Karikatur in den Printmedien oder im Internet wird mit hohen Bußgeldern bestraft. Ehrlich gesagt bin ich schon etwas enttäuscht von dieser trockenen und recht unspektakulären Vorgehensweise. Wo bleiben die alten Unterhaltungsqualitäten der Katholischen Kirche? Was ist aus dem guten alten Scheiterhaufen geworden?

Je mehr ich dazu schreibe, umso mehr beginnt mich das Thema zu langweilen. Drum möchte ich Euch das Geschwätz über Glasnost, Demokratie oder Religion ersparen – wer daran glaubt, ist selbst schuld. Stattdessen beende ich diese Ausführung mit dem wunderbaren Zitat von Al Pacino aus dem großartigen Film „Im Auftrag des Teufels“: „Eitelkeit, eindeutig meine Lieblingssünde!“ – wie wahr!